Schwestern erzählen
Als ich zu den Elisabethinen nach Wien wechselte, fiel mir der Abschied von den Linzer Elisabethinen sehr, sehr schwer, ich trennte mich nur ungern von der Geburtsstätte meiner Berufung.
Schon meine Novizenmeisterin war Instrumentarin gewesen. Da man von mir wußte, daß mir nicht schlecht wird, bin ich - ohne gefragt zu werden - im OP gelandet.
Ich mache meinen Patienten vor der Operation ein Kreuzerl auf die Stirn. Gerade wenn Menschen in den OP gehen, sollen sie sich fallen lassen - in Gottes Hände. Ich gebe das Kreuzerl allen, gleich, welcher Religion sie angehören, bei Priestern allerdings nur auf "Gegenleistung", da möchte ich auch eines von ihnen.
Eines Tages bekam auch ein junger Mann auf dem Weg in den OP das Kreuzerl. Er reagierte auf eine für mich ungewöhnliche Weise, er weinte. Ein paar Tage nach seiner Blinddarmoperation stand er mit einem Strauß roter Rosen vor der Türe, um sich zu bedanken. Im Gespräch erfuhr ich dann, warum er geweint hatte: das war auch die letzte Liebestat seiner Mutter am Totenbett gewesen.
Und noch einmal kam er, diesmal mit seiner zukünftigen Frau an der Seite. "Morgen heiraten wir, wir möchten uns ein Kreuzerl holen!"
Bestärkt hat mich aber auch der Heilige Vater, von dem ich 1984 bei einer Audienz in Rom ebenfalls ein Kreuz auf die Stirn bekam.

